Geothermie
Inhaltsverzeichnis
- Erdwärme / Geothermie als erneuerbare Energie
- Funktionsweise der Erdwärme
- Wirkungsleistung der Erdwärme
- Die wichtigsten technischen Daten
- Die weitere Entwicklung in der Zukunft
- Sonstige Besonderheiten (Staatliche Förderungen, Rahmenbedingungen,
gesetzliche Auflagen u.a)
- Zusammenfassung und Fazit
Erdwärme / Geothermie als erneuerbare Energie
Im Energiebereich hat ein Umdenkungsprozess begonnen. Da es sich
bei Öl, Erdgas, Uran und Kohle um endliche Energien handelt,
die irgendwann einmal zur Neige gehen werden, sind erneuerbare Energien
gefragt. Als heimische Energieträger machen erneuerbare Energien
uns unabhängiger von teuren Öl- und Gasimporten. Wie bei
neuen Energieträgern üblich, müssen dafür staatliche
Vorleistungen erbracht werden. Die Geothermie bzw. Erdwärme
gehört zu den erneuerbaren Energien, die ganzjährig und
weltweit verfügbar sind.
Die Geothermie bzw. Erdwärme ist die Wärmeenergie unterhalb
der Erdoberfläche. Die Erde besteht aus einem flüssigen
Erdkern, einem zähflüssigen Erdmantel und einer festen
Erdkruste. Je tiefer man in das Erdinnere vordringt, umso heißer
wird es. Die Wärme aus der oberen Erdschicht bildet sich durch
die Sonneneinstrahlung.
Funktionsweise der Erdwärme
Bei der Erdwärme wird grob unterschieden zwischen oberflächennaher
Geothermie und Tiefengeothermie. Für die oberflächennahe
Geothermie verwendet man Erdwärmekollektoren. Es handelt sich
um Wärmetauscher, die einen großen Platzbedarf haben
und am flachsten unter der Erdoberfläche verlegt werden. Sie
haben eine Tiefe von etwa 1 bis 1,20 m. Die Wärmekollektoren
gibt es in zwei verschiedenen Bauarten, der Registerausführung
und den Kapillarrohrmatten. In ihnen zirkuliert die Sole 1).
Die Erdwärme wird mit Hilfe einer Wärmepumpe auf ein für
die Raumwärme nutzbares Temperaturniveau gebracht. Propan oder
Kältemittel werden dabei als Flüssigkeit in einen geschlossenen
Kreislauf geführt. Bei niedrigem Druck nimmt die Flüssigkeit
im Verdampfer die Wärme aus der Umgebung auf und wird mit der
Pumpe auf ein höheres Druck- und Temperaturniveau gebracht.
Im Verflüssiger wird die Wärme an einen Heizkreislauf
abgegeben und kühlt sich dabei ab. Ein Drosselventil senkt
den Druck, die Temperatur fällt weiter ab. Die Flüssigkeit
kann dann dem Verdampfer wieder zugeführt werden 2).
Bei der Tiefengeothermie arbeitet man mit Erdwärmesonden.
Sie holen sich den natürlichen Wärmefluss aus der Tiefe
des Erdinneren. Sie sind daher temperatur-unabhängig. Das Verfahren
erfolgt wie bei der oberflächennahen Geothermie mit einer Wärmepumpe.
Die Erdwärmesonden stoßen in Tiefen von 30 m bis 100
m vor 1). Um größere Gebäude mit Erdwärme zu
versorgen, werden eventuell sogar 2 Erdwärmesonden benötigt.
Bei der Installation muss zwischen den
Erdwärmesonden mindestens ein Abstand von 5 m eingehalten
werden. Bei den Erdbohrungen werden ein oder zwei U-Kunststoffrohre
verwendet, in denen die Sole zirkuliert. Während in einem Rohr
der Vorlauf erfolgt, ist der andere U-Schenkel für den Rücklauf
vorgesehen. In Wasserschutzgebieten ist der Bau von Erdwärme-sonden
nicht erlaubt.
Erdberührende Betonbauteile arbeiten nach dem gleichen Prinzip
wie Erdwärme-sonden und sind für die Statik des Gebäudes
notwendig. Bei morastigen Böden müssen z.B. Betonpfähle
zur Stabilisierung des Gebäudes im Boden verankert werden.
Diese statisch erforderlichen Bauteile werden gleichzeitig für
die Geothermie genutzt, da Beton über eine gute Wärmeleitfähigkeit
verfügt. Die Nutzung notwendiger Bauteile, die gleichzeitig
als Wärmetauscher fungieren, erweist sich als wirtschaftlich.
Bei der hydrothermalen Erdwärmenutzung werden im Falle von
Thermalwasser im Erdinneren in 1000 m bis 2500 m Tiefe 2 Bohrungen
durchgeführt. Mit der ersten Bohrung wird das heiße Thermalwasser
an die Erdoberfläche gefördert und die Wärme an die
Verbraucher abgegeben. Damit die Wassermenge dem Erdinneren nicht
entzogen bleibt, wird Wasser mit einer zweiten Bohrung wieder in
die Tiefe zurückgeführt. Sofern unterirdisch genügend
Wasser nachfließt, kann auf die Rückführung verzichtet
werden und den Verbrauchern als Trinkwasser zur Verfügung gestellt
werden.
Beim Hot-Dry-Rock-Verfahren werden im Falle von Tiefengestein im
Erdinneren bis 5000 m Tiefe 2 Bohrungen vorgenommen. Bei diesem
Verfahren gewinnt man Wärme von trockenem Tiefengestein. Mit
der einen Bohrung wird kaltes Wasser in die Tiefe gepumpt, das sich
im undurchlässigen Gestein erhitzt. Durch die andere Bohrung
fördert man heißes Wasser an die Erdoberfläche.
Bei einer angenommenen Betriebstemperatur ab 175 Grad Celsius kann
neben der Wärme auch Strom erzeugt werden.
Wirkungsleistung Erdwärme
Da Erdkollektoren nur knapp unter der Erdoberfläche verlegt
sind, wirken sich die unterschiedlichen Temperaturen im Sommer und
Winter aus. Die Wärmepumpe hat in der kalten Jahreszeit mit
den niedrigsten Temperaturen im Erdboden zu tun, wo sie am meisten
Arbeit zu verrichten hat. Der Nachteil der Erdwärmekollektoren
besteht darin, dass die Kollektorfläche ungefähr das 2-fache
der Heizfläche benötigt. Ein 100 qm-Haus braucht also
bis 200 qm Kollektorfläche, die nicht überbaut werden
darf. Wenn allerdings genügend Freifläche vorhanden ist,
sind die langlebigen Erdwärmekollektoren mit ihren Anschaffungskosten
konkurrenzfähig. Durch eine oberflächennahe Nutzung könnte
theoretisch fast ein Siebtel des Raumwärme-bedarfs in Deutschland
gedeckt werden 1).
Bei der Tiefengeothermie erschließen Erdwärmesonden
den Wärmefluss aus dem Erdinneren. Sie sind jahreszeitlich
unabhängig und arbeiten stets bei gleichen Temperaturen. Die
Betriebskosten sind daher konstant. Erdwärmesonden werden im
allgemeinen bis zu einer Tiefe von 100 m eingebaut. Größere
Tiefen sind zwar möglich, aber meist unwirtschaftlich wegen
hoher Bohrkosten. Größere Anlagen zur reinen Wärmegewinnung
gibt es in Erding und Simbach (Bayern). Insgesamt wird die Geothermie
in Deutschland mit relativ kleinen Anlagen betrieben.
Die wichtigsten technischen Daten
Oberflächennahe u. teilweise tiefere Geothermie 7 –
25 Grad Celsius 1)
Standorte: praktisch überall
Leistungsbereich: Erdwärmesonde 6 bis 8 KW
Hydrothermale Erdwärmenutzung 25 – 120 Grad Celsius
Standorte: Norddeutsches Tiefland, Oberrheintal, Region zwischen
Donau und Alpenrand, Schwäbische Alb, Oberfranken
Leistungsbereich: 3 – 30 MW thermisch
Hot-Dry-Rock-Systeme ab 175 Grad Celsius
Standorte: künftig überall im Tiefengestein
Leistungsbereich: 20 – 50 MW elektrisch
Die Wärmepumpe entnimmt dem Stromnetz 1,5 kW an Leistung und
gibt im Gegenzug 56 kW Heizleistung ab. Trotz des Eigenverbrauchs
der Wärmepumpe wird unter dem Strich also Energie gespart .
Die weitere Entwicklung in der Zukunft
In heutiger Zeit ist eine Umorientierung von fossilen Energieträgern
hin zu erneuerbaren Energien zu beobachten. Der Anteil erneuerbarer
Energieträger und damit auch der Erdwärme wird sich künftig
stetig erhöhen.
Im Jahr 2000 wurden weltweit bereits über 50 Mrd. kWh an geothermischer
Energie genutzt. Wegen der hohen Investitionskosten ist momentan
der Anteil der Geo-thermie verhältnismäßig gering.
Pilotprojekte in der Tiefengeothermie sind erfolgt, die oberflächennahe
Geothermie wird zunehmend genutzt. Die Tendenz ist steigend, denn
die Erdwärmetechnik steht erst am Anfang der Kommerzialisierung.
Der Einstieg in die Geothermie ist vollzogen. Die Entwicklung muss
weltweit gefördert werden, damit langfristig die erneuerbaren
Energien sich flächendeckend verbreiten
Können 2). Im Vergleich zu anderen Energien ist die Geothermie
wirtschaftlich noch nicht konkurrenzfähig. Die Investitionskosten
für die Geothermie sind momentan im Vergleich zu anderen Energieträgern
noch zu hoch.
Sonstige Besonderheiten (Staatliche Förderungen,
Rahmenbedingungen, gesetzliche Auflagen u.a)
Das Stromeinspeisungsgesetz (StrEG) wurde durch das am 1. April
2000 in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abgelöst.
Betreiber von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien erhalten
von dem für sie zuständigen Netzbetreiber eine gesetzlich
vorgeschriebene Vergütung. Strom aus geothermischen Anlagen
wird teilweise vergütet. Zinsvergünstigte Darlehen der
staatlichen Ausgleichsbank tragen dazu bei, dass die Fremdkapitalbeschaffungskosten
für erneuerbare Energien gesenkt werden, also auch für
thermische Anlagen. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau
(KfW) bietet zinsvergünstigte Darlehen für den Einsatz
erneuerbarer Energien an. Im Zusammenhang mit der ökologischen
Steuerreform konnten weitere Maßnahmen für die Nutzung
erneuerbarer Energien ermöglicht werden 1).
Neben diesen direkten finanziellen Hilfen sind in der Vergangenheit
weitere Maßnahmen unternommen worden, um die Startchancen
erneuerbarer Energien zu verbessern wie z.B. im Steuergesetz, Baugesetzbuch
und in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure. Auch
auf Länderebene und europäischer Ebene werden erneuerbare
Energien unterstützt. Außerdem beteiligen sich die deutschen
Strom-versorger nach eigenen Angaben an der Forschung, Entwicklung
und Unterstützung von erneuerbaren Energien 1).
Zusammenfassung und Fazit
Von dem Engagement der Investoren ist die Nutzung der Kunden von
Öko-Strom und -Wärme zu unterscheiden. Danach können
sich Kunden für Strom und Wärme aus erneuerbarer Energien
entscheiden, wenn sie bereit sind, dafür einen höheren
Preis zu bezahlen. Es sind also sowohl auf der Investorenseite als
auch auf der Nutzerseite umweltbewusste Verbraucher, die die Mehrkosten
von den erneuerbaren Energien tragen. Momentan ist der Marktanteil
an der ökologischen Energie noch sehr gering.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer
Energien an der Energieversorgung bis zum Jahre 2010 mindestens
zu verdoppeln. Ob die eingeleiteten Maßnahmen ausreichen werden,
das für 2010 gesteckte Ziel der Verdoppelung erneuerbarer Energien
zu erreichen, bleibt abzuwarten 1).
Handout mit Kurfassung zum Thema...
Literatur
- Bine Informationsdienst, Wärmepumpen, Heizen mit Umweltenergie,
Verlag Solarpraxis AG
- Boeckh, M., Welt der Wunder, Zukunft Energie, Burgschmiet Verlag
- Brück, J., Neue Energiekonzepte für Haus- und Wohnungsbesitzer,
Beuth Verlag GmbH
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit,
Erneuerbare Energien und Nachhaltige Entwicklung, Broschüre
als Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung
- Geitmann, S., Eneuerbare Energien & Alternative Kraftstoffe,
Hydrogeit Verlag
- Hanus, B., Hausversorgung mit alternativen Energien, Franzis
Verlag GmbH
- Hennicke/Fischedick, Erneuerbare Energien, Verlag C.H. Beck
Autor: Hendrik Lammers, Wahlkurs Energie 2008  |